Lienauhaus, Große Oderstraße 15
Siehe auch: Straßenlexikon - Lienaustraße
 


Das Junkerhaus, Südseite, um 1910
 


Treppenhaus des Museums, um 1965
 


1968 Einbau der "Hausschilderwand" im Foyer des Museums  Viadrina
 


Eingang des Museums um 1979
 


Reka-Sammlung historischer Musikinstrumente
 


Klassenraum mit Originalausstattung,
um 1900


 


Ausstellung „Die Viadrina – eine preußische Universität im 18. Jahrhundert“
 



Zur Geschichte des Stadt- und Regionalmuseums
Frankfurt (Oder) -  Museums Viadrina

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Ein Heimatmuseum wurde in Frankfurt (Oder) erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegründet. Der seit 1860 bestehende Historisch Statistische Verein für Heimatkunde sowie die späteren Vereine für Naturwissenschaft und Kunst hatten bis dahin umfangreiche Sammlungsschätze zusammengetragen, hatten aber keine Möglichkeit, diese auch in einem repräsentativen Gebäude einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.
Im Jahre 1905 wurde das Haus des Weingroßhändlers Lienau in der Großen Oderstraße 15 von dem extra für diesen Zweck von 100 Frankfurter Bürgern gegründeten Museumsverein erworben. Bei dem Neuerwerb handelte es sich um ein um 1780 von Knoblauch im Barockstil errichtetes Gebäude.1924 gingen das Haus sowie die Privatsammlung des Michael Martin Lienau (1857-1936) in den Besitz der Stadt über.

Besonders erwähnenswert war die Innenausstattung  des Hauses  mit  hervorragenden Kachelöfen, Möbelstücken und Holzplastiken, zahlreichen Abbildungen mit Darstellungen der Stadt und von Persönlichkeiten, die in Frankfurt (Oder) gelebt und gewirkt hatten.

Zu den bemerkenswerten Sammlungen zählten auch die Kollektionen von Keramik und Zinn, Münzen und Medaillen aus Brandenburg/Preußen, die Sammlungen der Geologie, Botanik, Ur- und Frühgeschichte und Völkerkunde ebenso wie die große Bibliothek mit literarischen Werken insbesondere von und über Heinrich von Kleist.
Das als "Oderlandmuseum" geführte Haus existierte bis 1945, als es im Zuge der Kriegshandlungen in der Stadt vollkommen zerstört wurde. Auch die umfangreichen kostbaren Sammlungsbestände gingen fast vollständig verloren. Mit dem Aufbau eines Museums musste nach dem Krieg praktisch wieder bei Null begonnen werden.

Erst im Jahre 1957 wurde die Wiedereinrichtung eines Museums in Angriff genommen. Als neuen Standort wies der Rat der Stadt einige Räume im sog. "Junkerhaus" zu. Dieses zentral gelegene Gebäude aus dem 16. Jahrhundert ist einer der wenigen erhalten gebliebenen Profanbauten der Stadt. Aufgrund seines hohen kunst- und kulturhistorischen Stellenwertes und seiner "bewegten" Vergangenheit kann man das Junkerhaus als besonders geeignet betrachten, ein Museum in seinen Mauern zu beherbergen. Als erster Direktor dieser Einrichtung wurde Dr. phil. Ernst Walter Huth aus Halle benannt, der unter den gegebenen Voraussetzungen mit seinen Mitarbeitern Pionierarbeit leistete.

1959 konnte in drei Räumen des Junkerhauses in der ersten Etage eine ur- und frühgeschichtliche Ausstellung gezeigt werden. In den 60er Jahren erfolgte eine Erweiterung der Ausstellungsfläche. Hinzu kam der Komplex der mittelalterlichen Stadtgeschichte, dessen Exponate zum Teil aus geborgenem Fundmaterial der Stadtkernforschung stammte. Durch Hinzugewinnung von Räumen in der zweiten Etage konnten dann auch die Geschichtsabschnitte zur neueren Zeit und Gegenwart dargestellt werden.
Da die Ausstellung des Hauses im wesentlichen der Stadtgeschichte gewidmet war, wurde auf Antrag des Museums vom Rat der Stadt 1969 zugestimmt, dass die Einrichtung künftig Museum Viadrina heißen soll.

Im Jahre 1975 kaufte die Stadt Frankfurt (Oder) eine Sammlung historischer Musikinstrumente von Berol Kaiser-Reka an. Diese Sammlung wurde ein attraktiver und vielbeachteter Bestandteil der ständigen Ausstellungen des Museums. Seit dem Jahre 1962 fanden auf diesen Instrumenten auch Konzerte mit Künstlern der Berliner Staatskapelle unter der Leitung des Frankfurter Komponisten und Interpreten Hans Stein statt. Die Künstlergruppe erhielt 1974 den Namen Convivium musicum viadrinae. 
Durch die Maßnahmen zur Sanierung des Junkerhauses wurde es notwendig, den Sammlungsbestand vorübergehend in das Musikkabinett in der Collegienstraße 9 auszulagern, wo die Instrumente ausgestellt und von Herrn Kaiser-Reka persönlich vorgeführt wurden. Teile der Sammlung sind aber seit 1996 in der Konzerthalle zu sehen.

Durch Übernahme einer umfangreichen, von Achim Heselbarth zusammen getragenen Sammlung zum Thema Schule im Jahre 1991 erweiterte sich der Bestand des Museums. Die Sammlung wurde erst in zur Verfügung gestellten Schulräumen in der Wieckestraße gezeigt. Nachdem diese Räume nicht mehr zur Verfügung standen, wurde das Schulmuseum im Schulgebäude Potsdamer Straße 4 neu eingerichtet und 1992 eröffnet. Ein ganz besonderer Anziehungspunkt war der historische Klassenraum mit Originalausstattung um 1900, der sowohl bei den ganz jungen als auch bei den älteren Besuchern einen tiefen Eindruck hinterließ. Zu den Raritäten des Museums gehörten eine Fingerrechenmaschine, mit der in früheren Zeiten den Schülern der Einstieg in das Fach Rechnen erleichtert werden sollte. Ebenso war ein Modell der Magdeburger Halbkugel für das Fach Physik zu sehen. Ende 2001 musste das Schulmuseum leider wieder geschlossen werden.

Seit 1991 beteiligte sich das Museum trotz der fortlaufenden Sanierungsarbeiten durch Sonderausstellungen in anderen Räumlichkeiten, z.B. der Marienkirche, und durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit am kulturellen Leben der Stadt. Beginnend mit einer Ausstellung zur Universitätsgeschichte wurden ab 2001 in den Räumen des Erdgeschosses Wechselausstellungen gezeigt.



Daten zur Geschichte des Stadt- und Regionalmuseums Viadrina:
 

1905  

Gründung des ersten Stadtmuseums im so genannten Lienauhaus in der Großen Oderstraße. Zusammenführung der Sammlungen des Historisch-Statistischen Vereins für Heimatkunde zu Frankfurt (O) und des Naturwissenschaftlichen Vereins des Regierungsbezirkes Frankfurt (O) sowie wertvoller Gegenstände aus Privatbesitz im Museum.

1936   Umbenennung des Museums in „Oderlandmuseum“.
1945  

Zerstörung des Museumsgebäudes. Der gesamte Bestand ist seither verschollen.

1956   Ratsbeschluss über die Neugründung eines Museums in der zerstörten Stadt und Zuweisung erster Räume im ehemaligen Junkerhaus, Stresemann-Str. 11, heute C.-Ph.-E.-Bach-Straße 11.
15.08.1957   Ernst Walter Huth begann das Museum „mit leeren Händen und in leeren Räumen“ in der ersten Etage aufzubauen.
1957   Instandsetzung der Ausstellungsräume, Restaurierung der Stuckdecken. Beginn der systematischen Sammlungstätigkeit.
Während der Wiederbebauung des Stadtkerns wird mit Hilfe der Tiefbauarbeiter und vieler ehrenamtlicher Helfer umfangreiches wertvolles urgeschichtliches und mittelalterliches Kulturgut geborgen.
März 1959   Eröffnung der Ausstellung zur „Ur- und Frühgeschichte“.
Mai 1962   Erweiterung der ständigen Ausstellung zur Frankfurter Stadtgeschichte durch die mittelalterliche Abteilung.
20.10.1962   Hans Stein (1909-1987) gründet die Konzertreihe „Konzerte auf historischen Instrumenten“.
1964 Der erste Museumsführer mit Illustrationen des Frankfurter Künstlers Rudolf Grunemann (1906-1984) erscheint.
1965   Herausgabe des „1. Frankfurter Klavierbüchleins“ durch Renate Stein.
Eröffnung der Ausstellung zu ausgewählten Abschnitten der Geschichte Frankfurts im 19. und 20. Jahrhundert.
1968   Einbau der Wand Frankfurter Haussteine des 17. bis 19. Jh. im Foyer.
Anbringung eines Abgusses des Portals des gesprengten Großen Collegienhauses der ehemaligen Universität Viadrina.
Nov. 1969   Beschluss des Rates der Stadt zur Umbenennung in „Museum Viadrina“
1972   Gründung eines Jugendklubs gemeinsam mit der Galerie Junge Kunst (heute Museum Junge Kunst).
Joachim Winkler wird zum Direktor des Museums berufen.
1974   Anlässlich des 75. Konzertes auf historischen Musikinstrumenten wird das „Convivium musicum viadrianae“ unter Leitung von Hans Stein gebildet.
Veranstaltung des ersten Frankfurter Stadtgeschichte-Kolloquiums und Beginn der Herausgabe der „Frankfurter Beiträge zur Geschichte“.
1975  

Gründung eines Kammerchores am Museum.
Der 325.000 Besucher wird begrüßt.
Erwerb der Reka-Sammlung historischer Musikinstrumente.
Beginn der Vorführungen durch Berol Kaiser-Reka.

1979   Eröffnung der Abteilung Frankfurter Musikgeschichte mit Neugestaltung der Reka-Sammlung historischer Musikinstrumente in vier Räumen.
1982   Neueröffnung der „Ur- und Frühgeschichte des Oder-Spree-Gebietes“.
Ausbau des Magazins in der Gartenstraße.
Eröffnung der ständigen Ausstellung 1933 bis 1945 im Gebiet des ehemaligen Bezirkes Frankfurt (Oder).
März 1986   Schließung der Ausstellungsräume des Museums wegen Einsturzgefahr der Decken.
Die Konzerte auf historischen Musikinstrumenten finden in der Sakristei der Marienkirche statt.
1986 / 1996   Vorführungen der Reka-Sammlung im Musikkabinett.
1985 / 1987   Archäologische Untersuchungen in 14 Baugruben der Innenstadt.
Ergrabung einer früheisenzeitlichen Siedlung in Kliestow einschließlich eines Bestattungsplatzes mit 11 Körpergräbern.
1987   Ankauf der Sammlung historischer Rundfunkgeräte.
Beginn der Sanierungsarbeiten am Museumsgebäude.
Herausgabe von mehreren Publikationen zur Folklore des Odergebietes von Joachim Winkler (u.a. Der Nix mit dem Kuchen, Bilder aus dem Volksleben des Oderbezirkes mit Illustrationen von Günter-Wolfgang Häberlein).
1989   Herbert Heyde veröffentlicht einen Gesamtkatalog zu den „Historischen Musikinstrumenten der Reka-Sammlung am Museum Viadrina“.
1991   Dr. Siegfried Griesa wird Direktor des Stadt- und Regionalmuseums Viadrina.
Gründung des Vereins der Freunde und Förderer des Museums Viadrina.
1992   Eröffnung des Schulmuseums in der Potsdamer Straße, als Abteilung des Museums Viadrina.
Durchführung der archäologischen Grabungen auf der Baustelle „Sieben Raben.“
1994   Gedenk- und Feierstunde anlässlich der Eröffnung der Gedenkstätte „Opfer der politischen Gewaltherrschaft“ als Dependance des Museums.
1991 / 2001   Wechselausstellungen des Museums Viadrina werden in der Marienkirche und in zwei Räumen im Junkerhaus gezeigt.
1995   Beginn der Publikationsreihe „Frankfurter Jahrbuch“, herausgegeben vom Museum Viadrina und dem Förderverein des Museums Viadrina.
1996   Eröffnung der Ausstellung „Kostbarkeiten der Reka-Sammlung historischer Musikinstrumente“ und Beginn der Reihe „Alte Musik-Treff“ in der Konzerthalle.
2000   Die Sammlungen des Museums Viadria umfassen über 100 000 Objekte.
2001   Mit der Ausstellung „Die Viadrina – eine preußische Universität im 18. Jahrhundert“ wird anlässlich des so genannten Preußenjahres das Erdgeschoss dem Museum Viadrina wieder zur Nutzung übergeben.
2002   Fusion mit dem Museum Junge Kunst zu den „Städtischen Museen Junge Kunst und Viadrina“.
Direktorin wird Frau Prof. Dr. Rieger-Jähner.
2003   Wiedereröffnung des Museums Viadrina im sanierten Junkerhaus mit einer neuen Ausstellung zur Stadt- und Regionalgeschichte.