Andreas Musculus (1514 - 1581)

 


Prof. Wolfgang von Runckel
(Daten unbekannt)

 


Postkarte - Junkerhaus und Packhof

 


Stuckateure bei Restaurierungsarbeiten, 1991

 


Die wiederhergestellte "Dreibogigkeit" im 1. Obergeschoss, 2003
 



Die Geschichte des Junkerhauses
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  Das Museum Viadrina ist seit 1957 im Junkerhaus untergebracht. Es handelt sich hierbei um eines der wenigen Gebäude im Stadtzentrum, das am Ende des Zweiten Weltkrieges von der Vernichtung verschont blieb und dessen Architektur und Geschichte für die Stadt und das Land von ganz besonderer Bedeutung sind.

Das barocke Gebäude mit seinen wertvollen originalen Stuckdecken vom Ende des 17. Jh., war die kurfürstliche bzw. königliche Residenz der Hohenzollern, also das Frankfurter Stadtschloss



Daten aus der Geschichte des Junkerhauses:

 

    In der Form eines gotischen Patrizierhauses im Mittelalter errichtet.
1557   im Besitz der Familie Affe als Grundstück "uff den Ecken" in der Giebelgasse erstmals erwähnt,
nachfolgender Besitzer ist der Bürgermeister Albrecht Wins,
Verkauf des Hauses an den Kurfürsten Johann Georg.
1574   Übergabe an den Generalsuperintendenten und Viadrinaprofessor der Theologie, Andreas Musculus (bereits in der Schenkungsurkunde trägt das Haus den Namen "Haus der jungen Herren").
1581   besitzt der bekannte Festungsbaumeister Graf Rochus von Lynar das Haus und erwirbt das westlich gelegene Nebengebäude.
1596   kauft Joachim von Schrapsdorf das Anwesen.
1598   ist Kurfürst Joachim Friedrich Besitzer des Hauses, und es wird als Wohnsitz für die an der hiesigen Universität studierenden Prinzen aus kurfürstlichem Hause sowie Verwandte und Angehörige befreundeter Fürstenhäuser genutzt (allmählich werden die Bezeichnungen Junge Herren-Haus bzw. Junkerhaus sowie Junkergasse / Junkerstraße geläufig).
1615   schenkt Kurfürst Johann Sigismund das Haus der Universität (das Wohnrecht für Angehörige des brandenburgischen Herrscherhauses und freie Logis für den jeweiligen Professor für Geschichte werden als Bedingung gestellt).
"Einer der Professoren, vorzüglich der Professor der Geschichte, sollte in dem Hause freie Wohnung haben, in den übrigen Zimmern aber die Zusammenkünfte der Professoren (Concilia) gehalten werden. Wofern junge Markgrafen auf hiesiger Universität studieren würden, so müsse ihnen das ganze Haus während ihres hiesigen Aufenthaltes eingeräumt werden."
1621   die Universität lässt das Gebäude innen und außen renovieren.
    starke Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg.
1649   galt das Haus aufgrund ausbleibender Reparaturarbeiten als "total ruin".
1660   Einsturz des oderseitigen Giebels.
"Da dieses Haus nun schon vor etzlichen Jahren gar wüste worden, dass nur die bloßen Mauern von denselben stehen, ist dasselbe zur allgemeinen Kloake gemacht worden, dass sowohl die einheimischen Bürger, als auch die einlogierte Garnison sich des Abtritts darin gebrauche...
Aller Unflat und Schutt, welcher aus den Ställen und Häusern aus der Stadt wird heraufgetragen, sowohl bei Tag als des Nachts und ist dasselbe so verschüttet, dass viele Tausend Fuder darauf liegen,"
(Auszug aus einem Schreiben von Dr. Lindholz, Syndikus der Universität, an den Kurfürsten vom 13. September 1670).
ab 1670   bauliche Sicherung des Gebäudes auf Veranlassung des Kurfürsten durch den Festungsbaumeister Philippo di Chieze und den Proviantverwalter Dammerow.
ab 1678   weitere Baumaßnahmen unter Leitung von Baumeister Cornelis Ryckwaert.
1681   erneuter Einsturz des Ostgiebels.
1682   Beginn der Ausstattung der Innenräume mit prachtvollen Stuckdecken, die von oberitalienischen Stukkateuren (Tornielli, Simonetti, Belloni) ausgeführt wurden.
1693   führt nach dem Tod Ryckwaerts Louis Cayardt "die Arbeiten am Schlossbau zu Frankfurt a. d. O." weiter, der neue Baumeister nennt es "Maison Electorale" (Kurfürstliches Haus).
Das Gebäude hat durch den turmartigen Anbau und einen schmalen verbindenden Bauteil sowie durch seine schlichten Fassadenproportionen das heute wieder hergestellte barocke Aussehen erhalten.
1706   weilten der preußische König Friedrich I. und der Kronprinz Friedrich Wilhelm anlässlich der 200-Jahrfeier der AIma mater Viadrina im zu diesem Zeitpunkt "Königlich" genannten Haus.
1713   beschwert sich Professor von Runckel beim König über den Leerstand des Herrenhauses und die missbräuchliche Nutzung von Teilen des Erdgeschosses als Stall und für Lagerzwecke. Gleichzeitig bitte er um Gewährung seiner ehemaligen Wohnrechte im Junkerhaus, in dem er bereits von 1685 bis 1706 wohnte.
1748   logiert Feldmarschall von Schwerin im Junkerhaus.
Friedrich II. schenkt der Stadt Frankfurt das Anwesen mit der Auflage,  im Erdgeschoss die "königlichen Kassen" aufzunehmen und das Hauptgeschoss als Wohnung für den "Commissarius loci" auszubauen.
1769/70   Rücknahme der Schenkung.
1770   Einrichtung des General-Akzise-Amtes mit dazugehöriger Warenniederlage im "Packhof" (ab 1818 Hauptzoll- und Steueramt erster Ordnung).
1798/1800   bauliche Veränderungen unter Leitung des Landesbaumeisters Berger, denen vermutlich ein Teil der Stuckdecken zum Opfer fielen.
1832   Hinweis von Karl-Friedrich Schinkel auf die mangelhafte Verankerung des Gebäudes.
"Ein daran stoßender alter Pavillon, ebenfalls von drei Geschossen wie der Hauptbau, welcher der Anlage von der Wasserseite ein bedeutendes Ansehen gibt und räumliche Zimmer mit schönen Aussichten enthält, wird durch Verankerung der Wand gesichert werden müssen, indem diese sich ausbaucht und Risse erzeugt."
Die geforderten Sanierungsmaßnahmen von Schinkel erfolgten in umfassendem Maße erst nach 1990.
1912   erhält die Garnisonverwaltung und lntendantur der 5. Division ihren Sitz im Junkerhaus.
1920   bezieht eine Zweigstelle des Reichsvermögensamtes, 1927 der Reichsfinanzverwaltung, 1934 des Heeresbauverwaltungsamtes und des Reichsbauamtes Räume. Neben der dienstlichen Nutzung des Junkerhauses sowie den dazugehörigen Gebäuden werden die Räumlichkeiten für Wohnungen der Beamten verwendet.
nach 1945   Nutzung des Gebäudes als Seuchenlazarett des städtischen Krankenhauses, als Wachstube der Grenztruppen.
Verschiedene Einrichtungen (Wasserwirtschaft, staatliche Versicherung, Staatsbank, Konsumverwaltung) hatten ihren Sitz im Junkerhaus
1957   bezog das Museum VIADRINA die ersten Räume, 1959 wird die erste Ausstellung im Hauptgebäude eröffnet.
1986   Schließung der Ausstellungsräume wegen erheblicher Einsturzgefahr.
ab 1987   Sanierungsarbeiten, die sich am baulichen Zustand des Gebäudekomplexes um 1700 orientierten.
1990   übergab die Verwaltung des Konsums die letzten Räume dem Museum.
2001   teilweise Eröffnung des Junkerhauses mit der Ausstellung "Die Viadrina - eine preußische Universität im 18. Jahrhundert".
2003   Abschluss der Sanierungsarbeiten (Restleistungen im Keller- und Hofbereich stehen noch aus).